Schwarz-Rot-Goldene Normalität
Schwarz-Rot-Goldenes ist jetzt, zu Zeiten der WM, kaum zu übersehen. Egal ob nach der WM das alles wieder vorbei ist, oder ob das jetzt so bleibt, egal ob das bei einer WM im eigenen Land eben so ist, oder ob es wirklich ein Zeichen von mehr Nationalstolz (oder wie auch immer man das bezeichnen mag) ist, so richtig wohl fühle ich mich dabei nicht.
Na klar, wenn man es schon nicht mag sollte man wenigstens drüber stehen. Leise lächeln. Kann ich aber nicht.
Sollte ich aber. Das ist die Rückkehr der Normalität. Meint der Köhler. Aha. Wir alle waren also vorher irgendwelche abnormalen Zombies, die sich durch heftiges schwenken von dreifarbigen Stofftüchern und alkoholvernebelten »Deutschland«-Grölen ihre Normalität zurückholen. Welche verdammte Normalität? Wir haben es jedenfalls ohne diese »Normalität« ziemlich gut hinbekommen, das mit dem Staat. Auch ohne heftiges schwenken. Kann diese Skepsis gegenüber allzu viel schwarz-rot-goldenem, gegenüber allzu viel Nationalen nicht genauso deutsche Normalität sein? Kann Skepsis gegenüber allem, was zu Nationalismus führen kann oder nationalistisch ist – weil Nationalismus eben zu vernebeln, zu überdecken versucht – nicht doch besser sein? Und warum brauchen wir überhaupt irgend so ’ne komische Normalität?
Ich will dieses übertriebene, überzogene, dass manche meinen »Normalität« nennen zu müssen auch falsch finden dürfen, ohne als normalitätszerstörender Spielverderber zu gelten.
[...] Die Frage nach dem Warum? hab ich mir vor kurzem gar nicht gestellt. Malte von Fooligan versucht das Warum zu erklären, und dem gibt es dann eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich mich bei ein paar deutschen Fans doch unwohl gefühlt hab. Und, dass mir Klemmpatrioten Angst machen. Oder ich die lächerlich finde. Oder beides. [...]
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June 22, 2006 at 6:57 pm